Vortrag

Sind Roboter die besseren Chefs?

Künstliche Intelligenz erobert die Personalführung

Stefan Holtel, MSc

brightONE Consulting
Lead Cogniteer



 

 

Biografie

Stefan Holtel, MSc ist Programmierer, Theaterpädagoge, Yogalehrer, Vater, Wissensmanager und Trainer für LEGO Serious Play. Er arbeitete u.a. 11 Jahre in der Forschung und Entwicklung von Vodafone und hält mehrere internationale Patente. Regelmäßig präsentiert und publiziert er zur Frage, wie künstliche Intelligenz die Organisationen von heute umkrempeln werden. Seit 2011 arbeitet er als Lead Cogniteer bei brightONE Consulting, einem Anbieter für den Aufbau und Betrieb großer Call Center.

Vortrag

Sind Roboter die besseren Chefs?
Künstliche Intelligenz erobert die Personalführung

Abstract

Vorgesetzte fordern und fördern ihre Mitarbeiter? Blanke Theorie! Die Praxis ist  nüchterner: Vielen fehlt Menschenkenntnis, sie urteilen unfair, und oft frustrieren sie ihre Mitarbeiter. Nun preisen Apologeten die Vorzüge von Algorithmen. Maschinen könnten Menschen besser führen als andere Menschen. BigData macht es möglich. Das geht schneller und besser, als es Managern zu überlassen. Kaum zu glauben, die Betroffenen sagen selbst: Ein Roboter wäre der bessere Chef. Stimmt das? Und: Was bliebe übrig für diejenigen, die bisher Verantwortung trugen?

Inhalt

Einschlägige Forschung in den letzten Dekaden bestätigt immer wieder: Unternehmen trotzen den Böen des Wettbewerbs besser mit engagierten Mitarbeitern (Delaney 1996, HBR 2013). Eine Belegschaft auszuwählen und zu entwickeln war früher wünschenswert. Heute ist es zwingend. Aber die Praxis lehrt auch: Personalverantwortliche straucheln. Ihnen fehlt Erfahrung oder Einfühlungsvermögen. Mitarbeiter fühlen sich unfair behandelt, gemobbt und zurückgesetzt. Jetzt werden Beurteilungen und Einstellungen durch Algorithmen erledigt (IBM 2014). Damit wankt die letzte Bastion der Personalführung. Man sollte annehmen, dass das Auswählen und Beurteilen von Mitarbeiter besonderes Einfühlungsvermögen erforderte und die Gabe der Menschenkenntnis. Weit gefehlt. Denn Bewerber und Mitarbeiter haben digitale Daten angehäuft, die vor Jahren utopisch gewesen wären (Manyika et al. 2011). Und damit sind diese klassischen Tugenden perdu. Mit Fingertippen formiert sich Datensalat zu Information (IBM 2014), veredeln sich Zahlenkolonnen zu Grafiken, und verwandeln sich Textfragmente in Antworten (Ferrucci et al. 2010). Kluge Personalverantwortliche bauen darauf: Sie stöbern in sozialen Netzwerken nach Bewerbern (Gosling et al. 2007) und fördern ihre Talente (O’Dell, Trees 2014). Aber das ist nicht das Ende, sondern gerade mal der Anfang vom Ende: Kluge Denkmaschinen avancieren zum Einflüsterer der Teamleiter. Algorithmen erledigen eine Vielzahl von Aufgaben in der Personalführung schneller, effektiver und fairer. Und die Mitarbeiter glauben sogar selbst: Ein Roboter wäre der bessere Chef. Eine Studie am MIT zeigte das. In einer Arbeitsgruppe aus Menschen und Robotern bevorzugten die Menschen Anweisungen, wenn Maschinen sie gaben (MIT 2014). Gartner Group schätzt, dass im Jahr 2018 bereits mehr als drei Millionen Mitarbeiter durch Algorithmen geführt werden (Gartner Group 2015). Sollten sich die Resultate des MIT auf Wissensarbeit replizieren lassen, dann ständen wir vor einem Quantensprung: Maschinen ergänzten und ersetzten die Vorgesetzten. Roboter übernähmen die Bürde zeitraubender Kleinstentscheidungen, um Mitarbeiter zu lenken. Personalverantwortliche wären überflüssig oder müssten sich auf die Suche begeben nach einem anderen Tätigkeitsprofil. Sie müssten einbringen, was Maschinen auf absehbare Zeit fehlen wird: In unstrukturierten Situationen agieren, sozial kompetent handeln und kreativ werden im Kontext der Arbeitswelt (Frey/Osborne 2013).